Hintergrund

von Andreas Hamann

Metro will SB-Warenhäuser verkaufen


Der Kampf gegen Billig-Tarife bei real geht weiter

Der Kampf um Tarifbindung und gegen Billig-Tarife bei real zieht sich bereits über mehrere Jahre hin. Zuletzt waren Mitte Juli 2018 bundesweit mehrere Tausend Beschäftigte den Streikaufrufen der Gewerkschaft ver.di gefolgt. Ihr Protest richtete sich insbesondere auch gegen die Anwendung eines Dumping-Tarifvertrages des DHV-Verbandes in den Märkten, der weit unter dem Niveau des Flächentarifvertrages liegt. Mit der am 13. September 2018 bekannt gegebenen Absicht der Metro AG, die SB-Warenhäuser zu verkaufen, hat eine neue Phase der Auseinandersetzung begonnen.

ver.di spricht sich nachdrücklich gegen eine Zerstückelung des Unternehmens und für den Erhalt als Ganzes aus. In einem aktuellen Flugblatt für die Beschäftigten heißt es: „Machen wir uns gemeinsam stark: Für den Erhalt des Unternehmens real als Ganzes! Für sichere, gesunde und tarifvertraglich gut bezahlte Jobs!“

Schlaglichter auf die Stationen des Konflikts

Hier ein paar Schlaglichter auf die Stationen des Konflikts, an denen deutlich wird, dass die Kolleginnen und Kollegen von real starke Solidarität und Unterstützung auch aus anderen Unternehmen und nicht zuletzt von der Politik verdient haben:

• Ende März 2018 platzte die erste Bombe: Die Metro-Tochter real beging mit ihren rund 280 großen SB-Warenhäusern Tarifflucht. Eine neu eingestellte Verkäuferin soll etwa in Nordrhein-Westfalen auf rund 800 Euro monatlich verzichten. Auch die „Alten“, aktuell rund 32.000 Beschäftigte, sollen zur Kasse gebeten werden.

• Bereits 2015 hatte der real-Mutterkonzern Metro – Gewinnprognose Anfang des Jahres: 1,58 Milliarden Euro – erstmalig zugeschlagen. real blieb im Handelsverband HDE, wechselte aber in die OT-Mitgliedschaft („ohne Tarifbindung“).

• Nach einer Streik- und Protestwelle kam ein „Zukunftstarifvertrag“ mit ver.di zustande. real kehrte zurück in den Flächentarif und fast alle Läden und Jobs konnten gesichert werden. Dagegen standen der befristete Verzicht auf Gehaltserhöhungen und gekürzte Sonderzahlungen 2017 bis 2019. Verabredet wurde auch, eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln.

Dann kam der Überraschungsangriff

• Doch dann erfolgte nach etlichen Runden der Überraschungsangriff von real: Das im Februar vorgelegte Modell sieht sieben Tarifgruppen ab 1.630 Euro vor. Weil die ver.di-Tarifkommission die Billigtarife nicht akzeptierte, ließ die Metro die Verhandlungen platzen.

• Um die Dumping-Tarife des als Pseudo-Gewerkschaft kritisierten DHV-Verbandes anwenden zu können, hat es inzwischen einen Betriebsübergang zur Metro Services GmbH gegeben, wo das SB-Warenhaus-Unternehmen in real GmbH umbenannt wurde. Außer wesentlich niedrigeren Löhnen bedeutet dies weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Abschaffung der Spätarbeitszuschläge und die Zahlung von Nachtarbeitszuschlägen erst ab 22 Uhr.

• Dadurch, dass das Unternehmen real im Frühjahr den Zukunftstarifvertrag gekündigt hatte, war auch die mit ver.di vereinbarte Standort- und Beschäftigungssicherung bereits entfallen. Damit war die „Braut“ offenbar hübsch genug, um zum Verkauf angeboten werden: Am 13. September 2018 gab die Metro AG die Verkaufsabsicht bekannt.

Gewerkschaft ver.di: „Mensch geht vor Profit!

Für den Fall, dass Vertragsänderungen durch das Unternehmen ins Spiel kommen, hat ver.di die Losung „Hände weg vom Kugelschreiber!“ erneuert. „Dumping-Tarife können nicht die Basis für ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein“, betont die Gewerkschaft auch mit Blick auf potenzielle Erwerber. „Mensch geht vor Profit. Die real-Beschäftigen – egal ob länger dabei oder erst kürzlich eingestellt – haben Einkommen verdient, die zum Leben jetzt und im Alter reichen.“

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