Mittwoch

Real-Verkauf „bitterer Tag“

Bericht vom 19.02.2020

Real-Verkauf „bitterer Tag“ – ver.di kritisiert Metro-Management und Wirtschaftsministerium – jetzt nachhaltige Lösungen schaffen

Den Verkauf der Supermarktkette Real an die SCP Group hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) als „bitteren Tag für die Real-Beschäftigten“ bezeichnet.
Stefanie Nutzenberger
„Das Metro-Management mit Olaf Koch an der Spitze lässt sich für die Vernichtung von wahrscheinlich mehr als 10.000 Arbeitsplätzen feiern und das Bundeswirtschaftsministerium sieht tatenlos zu, wie tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben und Arbeitsbedingungen im Einzelhandel geschliffen werden“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „Der Metro-Konzern streicht 300 Millionen ein, während den Arbeitslosen wieder einmal auf Kosten der Gesamtgesellschaft geholfen werden muss“, sagte die Gewerkschafterin.
Die Situation bei Real hätten nicht die Beschäftigten, sondern das Manage- ment herbeigeführt. „An die soziale Verantwortung von Unternehmen kann man nur appellieren. Beim Metro-Konzern sehen wir sie derzeit nicht. Jetzt kommt es auf die Erwerber an, Verantwortung für die 34.000 Beschäftigten und ihre Familien zu übernehmen und mit ver.di tragfähige Lösungen für eine sichere Zukunft zu finden. Die Übernahmen müssen tarifvertraglich ge- staltet werden“, forderte Nutzenberger.

Samstag

Jack London über Streikbrecher

Über Streikbrecher hatte Jack London (*12. 01.1876, † 22. 11.1916) eine deutliche Meinung:

Der Streikbrecher
Jack London
Nachdem Gott die Klapperschlange, die Kröte und den Vampir geschaffen hatte, blieb ihm noch etwas abscheuliche Substanz übrig, und daraus machte er einen Streikbrecher. Ein Streikbrecher ist ein aufrechtgehender Zweibeiner mit einer Korkenzieherseele, einem Sumpfhirn und einer Rückgratkombination aus Kleister und Gallert. Wo andere das Herz haben, trägt er eine Geschwulst räudiger Prinzipien. Wenn ein Streikbrecher die Straße entlang geht, wenden die Menschen ihm den Rücken, die Engel weinen im Himmel und selbst der Teufel schließt die Höllenpforte, um ihn nicht hineinzulassen. Kein Mensch hat das Recht, Streikbrecher zu halten, solange es einen Wassertümpel gibt, der tief genug ist, daß er sich darin ertränken kann oder solange es einen Strick gibt, der lang genug ist, um ein Gerippe daran aufzuhängen. Im Vergleich zu einem Streikbrecher besaß Judas Ischariot, nachdem er seinen Herrn verraten hatte, genügend Charakter, sich zu erhängen. Den hat ein Streikbrecher nicht. Esau verkaufte sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht. Judas Ischariot verriet seinen Heiland für 30 Silberlinge. Benedict Arnold verkaufte sein Land für das Versprechen, daß man ihm ein Offizierspatent in der britischen Armee geben würde. Der moderne Streikbrecher verkauft sein Geburtsrecht, sein Land, seine Frau, seine Kinder und seine Mitmenschen für ein unerfülltes Versprechen seines Trusts oder seiner Gesellschaft. Esau war ein Verräter an sich selbst. Judas Ischariot war ein Verräter an seinem Gott und Benedict Arnold war ein Verräter an seinem Land. Ein Streikbrecher ist ein Verräter an seinem Gott, seinem Land, seiner Familie und seiner Klasse!

Und man kann nur mutmaßen welche Meinung Jack London gehabt hätte, über Betriebsratmitglieder bzw. Betriebsräte – die durch die Mehrheit ihrer Mitglieder – lieber ihren Kotau vor dem Arbeitgeber machen und ihre betriebsverfassungsrechtlichen Möglichkeiten brach liegen lassen. Dabei werden Betriebsratmitglieder die dem nicht teilnahmslos gegenüber stehen wollen und sich engagieren (“Abweichler”), mitunter durch den Arbeitgeber geduldet oder gar im Schulterschluss mit ihm, insbesondere als unternehmensschädliche Störenfriede betriebsöffentlich gemobbt/diskreditiert, um die “Abweichler” von der Betriebsöffentlichkeit zu isolieren und zumindest aus dem Betriebsrat zu drängen ("Konflikte auszuschalten").

Freitag

SPD-Bundestagsfraktion schreibt an Bundeskartellamt

Bericht vom 13.02.2020

Nach vielen Gesprächen u.a. mit dem Bundestarifkommissionsmitglied Holger Honings, „mischt“ sich die SPD-Bundestagsfraktion NRW in den Prüfungsprozess des Bundeskartellamts ein.





Proteste in Düsseldorf

Bericht vom 14.02.2020

real-Beschäftigte streiken vor der Metro-Hauptversammlung

Über 1.000 Beschäftigte von real haben am heutigen Freitag (14. Februar) die Arbeit niedergelegt, um vor der Hauptversammlung der Metro gegen die Tarifflucht ihres Unternehmens zu protestieren und für die Anerkennung der Tarifverträge des Einzelhandels zu streiken. Die 34.000 Beschäftigte bei real sind durch die Tarifflucht im Jahr 2018 und die seitdem fehlende Tarifbindung sowie den jetzt anstehenden weiteren Verkauf des Unternehmens in ihrer Existenz bedroht. Der Streik wird bis zum Abend fortgesetzt.
Streikende Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Betrieben in Düsseldorf
Der zuständige Sekretär für den Handel, Heino Georg Kaßler, erklärte dazu: „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen gerade in der Zeit des Verkaufes den Schutz durch die ver.di-Tarifverträge, damit Ansprüche auch nach einem Verkauf gesichert sind. Nach jetzigem Stand soll die Mehrheit der Märkte nach dem Verkauf an SCP Group / X+bricks an andere Händler weiterverkauft werden. Deshalb stehen die Beschäftigten vor einer ungewissen Zukunft. Hier müssen die Metro und zukünftig auch die Erwerber ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und nach dem Verkauf auch für eine nachhaltige Beschäftigungssicherung sorgen. Hierzu werden wir die Unternehmen nach dem endgültigen Verkauf ebenfalls zu Tarifverhandlungen auffordern. Es darf keine weiteren Ausgliederungen an selbstständige Kaufleute geben und es braucht die Sicherheit durch Betriebsräte.“
BTK-Mitglied Honings berichtet über die aktuelle Situation.
„Beim heutigen Streik geht es um die Existenzen der Menschen und auch darum, der Erosion der Tarifbindung im Handel endlich einen Riegel vorzuschieben. Deswegen fordern wir die Anerkennung der Tarifverträge des Einzelhandels. Aus unserer Sicht ist hier auch die Politik gefordert. Es geht um 34.000 Menschen und ihre Familien. Wir brauchen für die Zukunft endlich die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Handel, damit die Unternehmen die Kosten für ihr Geschäftsmodell nicht länger auf die Allgemeinheit abwälzen können“, so Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel.

WDR Lokalzeit von 13.02.2020


Bericht vom 13.02.2020

Ab Minute 13:50 berichtet Kollege Marko Lieber zum Verkauf von real.

Auch Nichtmitglieder dürfen streiken!