Donnerstag

Hausverbot für Bürgermeister Rajko Kravanja

Wovor haben Sie Angst?

Bericht vom 29.11.2018

Hausverbot habe ich als Bürgermeister der Stadt Castrop-Rauxel heute vom real-Markt an der Siemensstraße bekommen. Auf dem Weg zur Betriebsversammlung, zu der mich der Betriebsrat eingeladen hatte, wurde ich vom Marktleiter - in Abstimmung mit dessen Regionalleiter - vor Ort des Hauses verwiesen. Das Hausverbot galt nur für das Betreten der Sozialräume, in denen die Betriebsversammlung stattfinden sollte, Einkaufen hätte ich explizit gedurft. Ob er mich des Hauses verweisen durfte, daran zweifeln zumindest der Betriebsrat und Verdi. Das wird nun juristisch geklärt. Inhaltlich geht es um den Ausstieg der Real Group Holding GmbH aus dem Tarifvertrag mit Verdi und den Abschluss eines Vertrags mit einer nicht im DGB organisierten Gewerkschaft.

Hierüber machen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sorgen und haben Redebedarf. Und ich auch!
Was hätte ich nun also gesagt, dass der Marktleiter und der Regionalleiter solche #Angst vor mir haben?
- Vielleicht hätte ich aus dem Treffen des Betriebsrates mit den Fraktionen im Stadtrat erzählt.
- Vielleicht hätte ich erzählt, dass die anwesenden Fraktionen sich für eine Tarifverbindlichkeit im gesamten Einzelhandel ausgesprochen haben, damit der freie Wettbewerb wieder über die kreativsten Ideen der Geschäftsführung und Motivation der Mitarbeiter ausgetragen wird und nicht über die Lohnspirale der MitarbeiterInnen.
- Vielleicht hätte ich erzählt, dass die anwesenden Fraktionen sich Sorgen machen, wie es am Ende mit den 60 Castrop-Rauxeler Familien weitergeht.
- Vielleicht hätte ich auch den Marktleiter und Regionalleiter erwähnt, dass ich bisher den Eindruck hatte, dass sie zwar „auf der anderen Seite stehen“ (müssen), aber im Herzen bei den KollegInnen sind.
- Vielleicht hätte ich mit Stolz die Castrop-RauxelerInnen erwähnt, die in letzten Tagen immer wieder auf die Beschäftigten im Realmarkt zugegangen sind und Ihnen Mut gesprochen haben.
Vielleicht hätte i
ch auch nur „guten Tag“ gesagt. Aber all das scheint so viel Angst gemacht zu haben, dass man lieber ein Hausverbot erteilt, als denn zuhört. Ich finde jeder kann diese Episode selber werten. Ich frage mich, ob das eigentlich die Gesamtstrategie des Unternehmens und der Eigentümer ist? Geht so Kommunikation – ich habe eine andere Vorstellung von Dialog.
Ergänzung: Teilgenommen am Gespräch haben die Fraktionen von SPD, Grüne, DIE LINKE, FWI und FDP. Die CDU konnte leider aus terminlichen Gründen nicht, hat aber signalisiert eine entsprechende Resolution im Stadtrat mitzutragen.
Ich freue mich, dass der Rat der Stadt den Beschäftigten einstimmig seine Solidarität ausgesprochen und eine entsprechende Resolution verabschiedet hat.

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