Freitag

Aktionstag am 26.11.2018

Bericht vom 23.11.2018


Zum real Schreiben vom 22.11.2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit Schreiben vom 22.11.2018 hat sich der Arbeitgeber real zum ver.di Aktionstag am 26.11. geäußert.


Schauen wir uns mal die einzelnen Passagen dieses Schreibens im Einzelnen an:


Der Arbeitgeber schreibt:

„Streikaktionen sind in der aktuellen Situation sinnlos.“


Es wird wohl auf dieser Welt keinen Arbeitgeber geben, der Streikmaßnahmen für sinnvoll hält, aber das lassen wir mal dahingestellt. Richtig ist, dass real die derzeitige Situation selbst herbeigeführt hat:

Während sich eure ver.di Tarifkommission ernsthaft um eine tarifliche Lösung bemüht hat, hat Olaf Koch im März 2018 den Abbruch der Verhandlungen mit ver.di verkündet. Hätte der Arbeitgeber wirklich Interesse an einer Einigung gehabt, hätte er die im Zukunftstarifvertrag vereinbarte Schlichtung nutzen können. Dies hat der Arbeitgeber aber unterlassen.

Anschließend wurdet ihr per Betriebsübergang von der tarifgebundenen real SB- Warenhaus GmbH in die Metro Services (jetzt real GmbH) überführt, in der die Dumping- Tarifverträge des DHV Anwendung finden. Ohne diesen Schritt würde für euch der ver.di Flächentarifvertrag des Einzelhandels gelten und es bestünde Friedenspflicht.


Zum DHV Tarifvertrag schreibt real:

„Es bestehen zwischen dem Arbeitgeberverband AHD und der Gewerkschaft DHV ausgehandelte, wirksame Tarifverträge.“


Die Tariffähigkeit des DHV befindet sich noch in der Schwebe, da weiterhin ein Verfahren beim LAG Hamburg über die Tariffähigkeit der DHV anhängig ist.

Unabhängig von dieser Frage sind die Dumping-Löhne des DHV Tarifvertrages, die bis zu 23 % unter den ver.di Tarifen liegen, aber auch weit davon entfernt ein Einkommen zu bieten, von dem man in Würde Leben und von dem man eine auskömmliche Rente erwirtschaften kann. Eine Verkäuferin, die lange dabei ist und Teilzeit (60 %) arbeitet, erhält statt 1.547 Euro Brutto knapp 300 € weniger und das bei einer längeren Arbeitszeit, weniger Zuschlägen und geringerem Weihnachts- und Urlaubsgeld.



Doch es geht noch weiter, denn real hält diese Bedingungen für attraktiv:

„Rund 3.600 neu abgeschlossene Arbeitsverträge unter den aktuell gültigen Tarifbedingungen beweisen, dass real in Zeiten von Hochkonjunktur undVollbeschäftigung nach wie vor als ein attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird.“



Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist unterschiedlich. So stellt sie sich im Ruhrgebiet definitiv anders da, als im Süden der Republik. real verkennt hier völlig die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Für Menschen im Hartz IV Bezug gilt jede Arbeit als zumutbar, unabhängig von der Frage, wie schlecht die Entlohnung ist. Nehmen diese Menschen die ihnen angebotene Arbeit nicht an, droht ihnen die Kürzung ihrer Leistungen unter das Existenzminimum. Das in einer solch prekären Situation selbst Arbeit zu den DHV Bedingungen angenommen wird, ist nicht unbedingt ein Zeichen attraktiver Arbeitsbedingungen. Das gehört zur Wahrheit dazu.


Zu unserem Ziel, bei real wieder Löhne und Gehälter durchzusetzen, die zum Leben reichen, schreibt der Arbeitgeber:

„real würde wieder auf Kostenstrukturen zurückgeworfen, die nicht wettbewerbsfähig sind. Profiteure wären alleine nichttarifgebundene Wettbewerber, bei denen ver.di allerdings – bis heute – noch nicht auf die Idee gekommen ist, für Tarifbindungen zu streiken.“


real bleibt die Antwort schuldig, mit welchen Wettbewerbern man sich eigentlich vergleicht. Schaut man sich die Tariflandschaft an erkennt man, dass Unternehmen wie Kaufland, Netto, Aldi, Lidl an den ver.di Flächentarifvertrag gebunden sind. Selbst innerhalb der REWE- und EDEKA Gruppe sind große Teile tarifgebunden. Richtig ist, dass privatisierte REWE und EDEKA Märkte in der Regel nicht tarifgebunden sind, aber ob und wie weit sie vom Tarif abweichen, ist damit noch nicht geklärt.

Hätte der Arbeitgeberverband seinerzeit die Allgemeinverbindlichkeit nicht aufgekündigt, hätten wir die Probleme mit der Tarifflucht im Handel gar nicht.

Im Prinzip betreibt real jetzt genau die Politik, die sie bei den nichttarifgebundenen REWE und EDEKA Händlern kritisieren: Tarifflucht und Lohndumping! Damit setzt real nun auch die tarifgebundenen Unternehmen unter Druck und nimmt eine Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen in unserer Branche in Kauf.

Und natürlich bekommen Gewerkschaftsmitglieder, die sich auf den Weg machen einen Tarifvertrag in ihrem Unternehmen durchsetzen zu wollen, die Unterstützung ihrer Gewerkschaft. Wenn es sein muss auch über Jahre hinweg, wie das Beispiel der mutigen Kolleginnen und Kollegen beim Versandhändler Amazon zeigt.

Auf die Verunsicherung der Beschäftigten durch den angekündigten Verkauf von real wird in dem Schreiben des Arbeitgebers nur knapp eingegangen. Das ist bezeichnend.


Unsere gemeinsamen Ziele sind klar. Wir fordern:

  • Einen Tarifvertrag, der diesen Namen verdient!
  • Löhne und Gehälter, die zum Leben reichen!
  • Den Erhalt des Unternehmens als Ganzes!
  • Einen Käufer, der seine Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und der
  • Allgemeinheit ernst nimmt!
Die Kundgebung am 26.11. in Düsseldorf wird prominent besetzt sein, u.a. mit dem ver.di Vorsitzenden Frank Bsirske und dem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Daher beteiligt euch zahlreich damit wir in unserem gemeinsamen Kampf für Löhne und Gehälter, die zum Leben reichen, ein entschlossenes Zeichen an den Arbeitgeber und die Politik setzen!

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