Mittwoch

Neue Billiglöhne bei „Real“: Abstieg auf Raten

Die Warenhauskette „Real“ will neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig deutlich weniger Lohn bezahlen als bisher. Was das Unternehmen „wettbewerbsfähige Entgeltstrukturen“ nennt, bedeutet für viele Angestellte schlicht Armut: Meist nur in Teilzeit beschäftigt, leben viele jetzt schon am Existenzminimum; künftig werden noch mehr Verkäuferinnen und Kassiererinnen zusätzlich Arbeitslosengeld II beantragen oder mit Nebenjobs um ihre Existenz kämpfen. Ein Beispiel für den alltäglichen sozialen Abstieg in Deutschland, der längst auch politische Folgen hat.



DGB - Aktion gegen Lohndumping bei real

Morgens 10 Uhr in Coesfeld: Der DGB-Ortsverband ist schon früh auf den Beinen und sammelt fleissig Unterschriften gegen Lohndumping bei der Firma Real!




Dienstag

Metro soll Verantwortung für die real-Beschäftigten übernehmen

Pressemitteilung vom 14.09.2018

Im Zusammenhang mit dem Verkauf des SB Warenhauses Real durch die Metro AG hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) heftige Kritik am Management des Metro-Konzerns geübt. „Erst haben die Beschäftigten auf Lohn verzichtet, um das Unternehmen zu retten, dann hat das Unternehmen den bis dahin gültigen Tarifvertrag geschreddert, und nun soll Real verkauft werden. Wir erwarten, dass die Metro AG wenigstens jetzt Verantwortung für die 34.000 Beschäftigten übernimmt“, erklärte Stefanie Nutzenberger, ver.di Bundesvorstandsmitglied.

„Falsche Entscheidungen und Konzepte des Managements haben in der Vergangenheit die Werthaltigkeit des Unternehmens massiv gefährdet. Unser Interesse ist es, dass Real als Ganzes an ein seriöses Unternehmen verkauft wird, das verantwortungsvoll mit der Belegschaft umgeht“, so die Gewerkschafterin. „Man muss kein Prophet sein um festzustellen, dass der Real-Verkauf im Metro-Konzern anscheinend schon lange eine Rolle spielt. In diesem Zusammenhang sehen wir auch die kompromisslose Alles-oder-Nichts-Strategie der Konzernleitung bei den vergangenen Tarifverhandlungen. Die Kündigung des Sanierungstarifvertrages und damit der Beschäftigungs- und Standortsicherung stellt sich uns heute als Vorbereitung für den Verkauf des Unternehmens dar“, so Nutzenberger.

Es reiche nicht, „die Braut auf Kosten der Beschäftigten zum Verkauf aufzuhübschen.“ Die Betroffenen brauchten sichere Arbeitsplätze und keine Dumpinglöhne“. Dass in SB-Warenhäusern die ver.di-Tarifverträge eingehalten werden, zeigten andere große Player der Branche. Es müsse wieder Ruhe bei Real einkehren, anstatt die Beschäftigten weiter zu gängeln. „Mit einem neuen Investor, der eine motivierte Belegschaft schätzt und auf eine sichere Zukunft mit Tarifverträgen setzt, kann das gelingen“, sagte Nutzenberger.

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Pressekontakt
Günter Isemeyer
ver.di-Bundesvorstand
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Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
Fax: 030/6956-3001
E-Mail: pressestelle@verdi.de

Donnerstag

Tarif-Einigung in Sicht

Berlin, 02.06.2016 Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Arbeitgeber haben sich heute auf Eckpunkte für einen Zukunftstarifvertrag für das SB-Warenhaus Real mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2019 geeinigt.

"Wir haben einen wichtigen Kompromiss erzielt. Die Einigung sieht unter anderem eine weitgehende Standort- und Beschäftigungssicherung, verbindliche Investitionszusagen von einer Milliarde Euro sowie die Rückkehr in die Tarifbindung im Jahr 2018 vor. Hinter uns liegt eine harte Auseinander-setzung. Wir konnten viele unzumutbare Forderungen der Arbeitgeber abwehren. Die Beschäftigten, die unter schwierigen Bedingungen auf Teile ihres Einkommens verzichten sollen, erwarten, dass die Real-Filialen jetzt zügig mit überzeugenden Konzepten modernisiert werden", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Mit dem Inkrafttreten des Zukunftstarifvertrags anerkennt Real alle zum 31. Mai 2016 gültigen regionalen Tarifverträge, mit Ausnahme der spezifischen Regelungen, die Bestandteil des Zukunftstarifvertrags werden.

Diese Regelungen beinhalten unter anderem:
  • 265 von derzeit 283 Real-Märkten, die unter den Zukunftstarifvertrag fallen, erhalten eine Bestandsgarantie. In den Märkten mit Bestandsgarantie sind betriebsbedingte Beendigungskündigungen ausgeschlossen.
  • Real verpflichtet sich, ab dem Geschäftsjahr 2016/2017 über fünf Geschäftsjahre insgesamt 1 Milliarde Euro in die Märkte zu investieren.
  • Real und Metro gewährleisten Insolvenzschutz durch die Aufrechterhaltung eines Beherrschungs- und Gewinnabführungs- und Verlustausgleichsvertrags.
  • Die Beschäftigten erhalten 2015, 2016 und 2017 keine Entgelterhöhungen.
  • Tarifliche Sonderzahlungen: Das Urlaubsgeld wird 2017 bis 2019, das Weihnachtsgeld 2016 bis 2018 auf 40 Prozent reduziert; 2019 wird das Weihnachtsgeld auf 70 Prozent reduziert.
  • Auflösende Bedingungen: Erfüllt Real die Investitionszusagen nicht, sind die Reduzierung der Sonderzahlungen sowie die Nicht-Weitergabe der Entgelterhöhungen nichtig.
  • ver.di-Mitglieder erhalten als Ausgleich zur Kürzung der Sonderzahlungen eine prozentuale Sonderzahlung (Vorteilsregelung).
  • Auszubildende sind von den Einsparungen (keine Entgelterhöhungen, Kürzungen der Sonderzahlungen) ausgenommen.
  • Leitende Angestellte werden an den Einsparungen mit 18,5 Millionen Euro beteiligt.
Die Tarifpartner verpflichten sich, ab Oktober 2016 über eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln. Scheitern die Verhandlungen, wird ein Schlichtungs-verfahren durchgeführt. Gibt es bis zum 31. März 2018 keine Einigung, kommen ab 2018 die regionalen Entgelt-tarifverträge wieder uneingeschränkt zur Anwendung. Unabhängig davon haben die Tarifparteien zum 1. April 2018 ein Sonderkündigungsrecht.

Vom Tisch sind die Einführung einer neuen Entgeltgruppe für neu eingestellte sogenannte Ladenverkäufer mit Dumpinglöhnen von mehreren Hundert Euro weniger als derzeit, die Streichung der Nachtzuschläge sowie die Abschaffung des Durch- und Aufstiegs. Diese Regelung ermöglicht ungelernten Kräften nach langjähriger Berufserfahrung im Betrieb in die Gehaltsgruppe für gelernte Verkäuferinnen und Verkäufer aufzusteigen, und bleibt nun erhalten.

Die Eckpunkte sollen zeitnah in einen Tarifvertrag überführt werden. Über die Einigung wird ver.di in den nächsten Wochen eine Mitgliederbefragung durchführen. "Für uns zählt das demokratische Votum der Mitglieder, die in dieser Auseinandersetzung engagiert um ihre Rechte gekämpft haben", sagte Nutzenberger. Sie dankte der Real-Tarifkommission, die das Ergebnis der Mitgliederbefragung bewerten und über den Abschluss des Tarifvertrags entscheiden wird.

Freitag

Metro sucht Konfrontation!

Die Be­schäf­tig­ten bei real,- kämp­fen um die Rück­kehr in die Ta­rif­bin­dung!
(Foto: Katja Deusser)
Wärend ver.di nach Lösungen sucht, geht es Metro offenbar um Konfrontation: Der Verhandlungsführer der Metro vollzog in den Verhandlungen bei real,- eine Rückwärtsrolle und droht nun mit tausendfachen Entlassungen!

Nachdem in der Informationsveranstaltung zu real,- am 14. April deutlich geworden ist, dass sich die Zukunft des Unternehmens nur gemeinsam bewältigen lässt und Angst der Vergangenheit angehören soll, muss zur gestrigen Tarifverhandlung festgestellt werden:

Der Verhandlungsführer der Metro droht mit Zukunftsszenarien einschließlich der Vernichtung von tausenden Arbeitsplätzen bei real,-. Eine neue Unternehmenskultur sieht anders aus!

Worum es uns geht

  • Umsetzung des Zukunftskonzeptes in den Märkten
Es gab keine konkreten Aussagen dazu, wann das Roll-out des neuen Konzeptes in den Häusern erfolgen soll und was mit den Häusern passiert, die nicht umgestellt werden.

Nur soviel: 2016 startet Krefeld, in 2017 sollen weitere Märkte nach dem Krefelder Vorbild umgestaltet werden, gegebenenfalls werden auch Einzelelemente in einem Teil der übrigen Märkte ausgerollt.

Wir fordern verbindliche Zusagen von der Metro für die Investitionen in den Märkten. Und Antworten, wann und wie das Roll-out konkret erfolgt und was mit den Häusern passiert, die nicht umgestellt werden!
  • Gute Arbeitsplätze heute und in der Zukunft
Davon sind die Metro-Vorstellungen weit entfernt. Eine Rückkehr in den 2019 geltenden Flächentarifvertrag soll es offensichtlich nicht geben, vielmehr haben sie eine dauerhafte Absenkung der Entgelte zum Ziel. Die Alt-Beschäftigten sollen bis 2019 keine Erhöhung der Löhne und Gehälter erhalten.

Neu eingestellte Beschäftigte sollen als sogenannte Ladenverkäufer mit einem Entgelt zwischen 1.487 Euro und 1.856 Euro eingestellt werden. Dies hätte zur Folge, dass Neueingestellte in Zukunft gegen Alt-Beschäftigte ausgespielt werden und diese das Risiko haben, nach und nach ausgetauscht zu werden.

Im Klartext: Alle Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren real,- die Stange halten, bekommen Druck und die Neuen schlechte Arbeitsbedingungen!

Mit ihren Forderungen erklärt die Metro eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und eine Zukunft in Altersarmut für viele Beschäftigte zum Programm. Eine solche Zukunft wollen wir nicht!
  • Standort- und Beschäftigungssicherung
Wir wissen, um was es geht. Deshalb fordern wir konstruktive Verhandlungen, Respekt vor den real,- Beschäftigten und gute Arbeitsplätze für sie alle – heute und in Zukunft!

Die Tarifkommission hat die Weichen gestellt und sich zu Verhandlungen über einen zeitlich befristeten Arbeitnehmerbeitrag zur Sicherung der Zukunft von real,- bereiterklärt.

Danach muss es zurück in den vollen Tarif gehen – Tarifbindung für alle real,- Beschäftigten!

Bundesweite Streiks in rund 150 Filialen

Streikende bei real,- in Mönchengladbach am 10.03.2016
(Foto: Dietrich Hackenberg, www.lichtbild.org)
ver.di hat die Beschäftigten der SB-Warenhauskette real,- für den heutigen Freitag erneut zum Streik aufgerufen. (ver.di Pressemitteilung vom 11. März 2016)

Nachdem gestern bereits Beschäftigte aus 74 Filialen in NRW mit großer Beteiligung dem Streikaufruf gefolgt sind, legen heute Beschäftigte bundesweit in rund 70 Filialen die Arbeit nieder.

An den Protesten gegen die Tarifflucht der Metrotochter beteiligten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von real,- Märkten in Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Brandenburg.

Einige Filialen werden auch am morgigen Samstag die Arbeitskämpfe fortsetzen.
"Wir, die Beschäftigten von real,- sind bereit, für das Überleben von real,- zu kämpfen. Allerdings kämpfen wir auch für einen Tarifvertrag mit Gehältern, die das Leben lebenswert machen!" (Werner Klockhaus, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei real,-)
Die Arbeitgeberseite forderte in den bisherigen Verhandlungen tiefe Einschnitte:
  • Sie verlangen die Kürzung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes um 75 Prozent (das bedeutet für eine Verkäuferin in der tariflichen Endstufe einen Verlust von 2050 Euro im Jahr).
  • Sie fordern die Aussetzung der Tariferhöhungen und des Durch- und Aufstiegs in den Berufsjahren bis Ende 2017.
  • Sie wollen die Absenkung der Nachtzuschläge in der Zeit von 20 Uhr bis 22 Uhr von 50 bzw. 55 Prozent auf 20 Prozent.
  • Sie möchten 12 bis 17 Märkte schließen.
  • Tariferhöhungen sollen erst ab 2018 schrittweise weitergegeben werden (unter Vorbehalt eines Sonderkündigungsrechts für den Tarifvertrag, sofern bis Ende 2017 keine neue Entgeltstruktur vereinbart wurde).
"Die Beschäftigten sind nicht bereit zu solch drastischen Einschnitten, die am eigentlichen Problem des Unternehmens erkennbar nichts verändern werden!" (Stefanie Nutzenberger, Verhandlungsführerin und Bundesvorstandsmitglied bei ver.di)
Denn real,- hat vor allem ein Umsatzproblem.

Für die rund 38.000 Beschäftigten bedeutet der Austritt der Warenhauskette aus der Tarifbindung bereits jetzt Einkommensverluste, weil die vergangenen Tariferhöhungen nicht weitergegeben werden.

Bildergalerie auf handel.verdi.de

Videobeitrag Aktuelle Stunde, 10.03.2016, WDR (verfügbar bis 17.03.2016)

Wir haben keine 400 Millionen zu verschenken!

Schöne Videofilmchen und farbige Folien präsentierten uns die Arbeitgeber am 3. März in Düsseldorf.

Wären es keine Tarifverhandlungen, die Mitglieder unserer Tarifkommission hätten sich einen schönen Tag machen können. Wollten sie aber nicht!



Denn es geht um die Zukunft von real,- und der Beschäftigten. Schon jetzt müssen 38.000 Mitarbeiter_innen jeden Monat auf Teile ihres Einkommens verzichten!

Grund genug, dass die Arbeitgeberseite endlich was Konkretes auf den Tisch legt.

Genau das haben die Mitglieder unserer Tarifkommission deutlich gemacht. Doch auf alle Fragen gab es nichts Konkretes, oder um es mit den Worten von Herrn Hutmacher zu sagen: Heute könne man noch keine „korrekten Antworten“ geben...

Nur zu einer einzigen konkreten Aussage war die Arbeitgeberseite bereit: Sie wollen von den Beschäftigten einen Verzicht in Höhe von 400 Millionen Euro verhandeln! 

Herr Hutmacher, das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Einen Blankoscheck auf eine unsichere Zukunft wird es mit den Beschäftigten nicht geben!

Deswegen fordert unsere ver.di-Tarifkommission für einen Zukunftstarifvertrag:
  • Einen klaren Rahmen: Sofortige Rückkehr in die regionalen Flächentarifverträge und eine Laufzeit für diesen Zukunftstarifvertrag von maximal 3 Jahren. Die Beschäftigten haben Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Dazu ist eine Standort- und Beschäftigungssicherung nötig.
  • Grundlage muss ein tragfähiges und nachvollziehbares Zukunftskonzept sein, das unter Beteiligung der Betriebsräte und der Beschäftigten entwickelt wird.
  • Wir können nicht auf andere Zeiten warten, wir müssen heute starten. Dazu sind dringend ab sofort Investitionen in das Unternehmen erforderlich. Wir erwarten neben Investitionen durch das Unternehmen einen deutlichen Beitrag der leitenden Angestellten und den Abbau der übertariflichen Zulagen.
  • Fortschritte müssen jährlich überprüft werden und im Erfolgsfall dazu genutzt werden, dass die Beschäftigten einen schnelleren Anspruch auf eine Rückzahlung ihres Tarifbeitrags bekommen.
  • Ausnahme der Azubis aus dem Geltungsbereich.
Gemeinsam für existenzsichernde Tarifbindung!
Gemeinsam für ein nachhaltiges Zukunftskonzept!
Gemeinsam für eine sichere Zukunft der Beschäftigten!

Jetzt dafür gemeinsam auf die Straße. Seid dabei und macht mit! 

 

Die komplette Fassung unserer aktuellsten Beschäftigteninfos für real,- gibt es hier auch als kompaktes PDF zum Download.